Erfahrungsbericht

 

Die Kinder hatten uns wegen unserer Affinität zu Eseln eine Wanderung mit einem Esel und einen Aufenthalt in der nahebei liegenden Ferien-wohnung von Frau Odenhardt geschenkt. In der Nähe des Edersees wurden sie nach Recherchen fündig und bestellten uns Gutscheine. Wir suchten uns zusammen mit Frau Odenhardt einen Termin aus und fuhren wie geplant am Montag, den 11.7.16 in Richtung Edertal-Anraff. Dank des Navi fanden wir es sofort – das Dorf liegt wirklich „weit ab“. Frau Odenhardt hatte uns schon den Weg in die Ferienwohnung beschrieben, falls sie auf der Koppel sein sollte. Wir waren überrascht: in einem alten Haus von 1804 lagen im ersten Stock ein großes gemütliches, sehr helles Fachwerkzimmer, eine geräumige Küche und ein großes Bad. Vor den wichtigen Fenstern waren Fliegengitter angebracht, sodass man getrost die Fenster öffnen konnte.

Als wir unser Gepäck holen wollten, kam Frau Odenhardt gerade aus dem Garten und begrüßte uns freundlich; nach einem kurzen Gespräch beschrieb sie uns noch den Weg zur Eselskoppel und danach packten wir unsere Sachen aus, zogen uns um und machten uns auf den Weg zur Koppel.

Alle 5 Esel waren relativ neugierig, die Namen Bobo, Lano, Emil, Elsa und Jakob konnten wir natürlich nicht zuordnen. Drei von ihnen kamen gleich gelaufen, zwei blieben im Stall. Wir redeten mit ihnen, gingen auch in den Stall – doch das war keine gute Idee, denn einer der Esel sah etwas verschreckt aus, wir gingen wieder raus und fanden auf einem Balken Striegelbürsten. Damit konnten wir den Tieren wohl eine große Freude machen, sie hielten still und hörten sogar auf zu fressen! Einer lief in den Stall und wälzte sich auf dem Boden hin und her, es sah aus, als fühlte er sich wohl. Zwei der Esel waren ganz zutraulich und rieben ihre Köpfe an unseren Hüften. Einer knabberte an meiner Bluse, ein anderer knuffte Gerhard in den Bauch, was der auch grad nicht gut fand. Nach einer Weile hatten die Tiere das Interesse an uns verloren und liefen alle 5 in den Stall und ließen uns stehen.

Also gingen wir weiter auf eine Anhöhe, kamen an einer Streuobstwiese vorbei und genossen die Stille und die schönen Ausblicke in die Umgebung. Ganz ohne Windräder – hoffentlich bleibt das so!

Auf dem Rückweg schauten wir noch mal bei den Eseln vorbei, striegelten sie wieder eine Zeitlang, dann gingen sie – als sei's verabredet – alle 5 in Richtung Zaun zum Fressen und ließen uns stehen.

Wir gingen zurück in die Wohnung, zogen uns wieder um und fuhren mit dem Auto los, um uns den Baumwipfelpfad anzusehen, von dem Martin uns erzählt hatte. Als wir 2010 den Urwaldsteig gelaufen waren, gab es den Pfad noch nicht. Als Martin den gleichen Weg voriges Jahr mit Zelt gegangen ist, hat er den Pfad besucht. Wir holten uns beim Touristenbüro einen Plan und sahen nebenan das „Haus auf dem Kopf“. Nette Attraktion - aber total unnütz.

Am Eingang des „Top-Tree-Walk“ (!) kauften wir uns außer den Eintrittskarten noch ein Eis, das fanden wir bei gefühlten 35 °C grad passend! Auf dem „Eichhörnchenpfad“ gelangten wir zum Baumkronenpfad, eine schöne Attraktion mit vielen Informationen. Es gaben eine Fühlstrecke und eine Riechstrecke,  groß nachgebildete Insekten – für Kinder bestimmt ein tolles Erlebnis. Der Blick über den Edersee war grandios. Noch beeindruckender waren die Buchen mit ihren übermässig vielen Früchten! Die Früchten waren noch grün, aber diese Mengen hatten wir noch nie gesehen! Alle Bäume hingen total voll! Den Rückweg gingen wir über den „urigen Pfad“. Etwas länger als der Hinweg, aber abwechslungsreicher, weil es auch mal auf und ab ging.en. (Siesta?)

Jetzt gings weiter nach Waldeck. Ich hatte vergessen, unsere Gummischuhe mitzunehmen, wir kauften welche in einem Supermarkt. An der Kasse erzählten wir von unserem Missgeschick, da meinte die Frau:

Gott sei Dank, sonst hätte ich ja nichts verkaufen können. Danach suchten wir in der Nähe des Sees ein Restaurant: alle hatten montags Ruhetag! Wir stellten also das Auto auf einen Hotelparkplatz. In dem Hotel wollten wir dann später essen und liefen bis zu dessen Öffnungszeit am Seeufer entlang.  An diesem Weg entlang gab es eine Reihe interessanter Attraktionen: Wackelbretter, auf denen man sein Gleichgewicht finden musste, eine Klanginstallation, die im Boden eingelassen war und auf der man mit den Füßen Töne erzeugen konnte (Tanzglockenspiel), Glockenspiel, ein Summloch, eine Spiralscheibe und einige andere mehr.
Später saßen wir auf der Hotelterrasse; die Bedienung erklärte uns, montags würde nur für Hotelgäste gekocht. Wir fragten sie, wo man denn etwas zu essen bekäme: Na, in Waldeck, da gäbs 'ne Menge Restaurants. Wir zurück nach Waldeck. Alte Post: zu, Grieche: zu, ein paar andere auch noch. Die Pizzeria Isola Sardegna: offen und gerappelt voll! Trotzdem haben wir nicht wirklich lange warten müssen, haben bestens gegessen und wurden pappsatt! Danach gings heim nach Anraff. Unser Auto stellten wir am Friedhof ab und gingen früh schlafen – nach so vielen neuen Eindrücken!

 

Dienstag.

Wir standen gegen 8 Uhr auf, frühstückten lange und entspannt. Gegen halb 11 zogen wir uns wandermäßig an, denn ca. 11 Uhr wollte Frau Odenhardt uns mit dem Esel auf den Weg schicken. Sie kam mit Lano, einem dunklen Esel mit einem goldigen „Gesichtchen“. Dann gab es für uns eine ausführliche Einweisung über den Umgang mit einem Esel. Das war ungeheuer wertvoll, denn so hätten wir uns ohne Anleitung sicher nicht verhalten!

Lano wurden nun Schuhe angezogen. Frau Odenhardt erklärte, dass ihre Esel nicht beschlagen würden, weil ihre Hufe so klein seien und man Gefahr liefe, die Nägel ins lebendige Fleisch zu schlagen. Er bekam jetzt eine gepolsterte Decke auf den Rücken, darüber ein Netz, das mit Spray gegen Mücken und Bremsen behandelt wurde. Darauf kam sein maßgeschneiderter Sattel – mit Namen – zuletzt zwei Packtaschen mit etwas Gewicht. Wir bekamen für ihn 2 Portionen Hafer und das Mittel gegen Bremsen. Diese Insekten machen den Eseln sehr zu schaffen.

Frau Odenhardt begleitete uns noch eine kleine Strecke, gab noch ein paar Tipps, z.B. sollte der Esel nicht in die Nähe eines Pferdes gelangen, weil er Pferde besonders liebt! Dann verabschiedete sie sich durch langsames Zurückbleiben. Jetzt waren wir mit dem Tier allein. Gerhard führte Lano souverän, wir redeten abwechselnd liebevoll auf ihn ein, was er für ein toller Esel sei und so...  Wir hatten genaue Vorgaben, an die wir uns – und der Esel – halten sollten: z.B. wo Lano fressen durfte und wo auf keinen Fall.  An welchen Stellen wir besonders auf ihn achten sollten, weil dort beispielsweise Hunde waren, die er nicht sehen konnte, oder wenn Radfahrer von hinten kamen und klingelten (da war er mal durchgegangen), Pferde und deren Abfall waren zu meiden. Lano trottete aber überwiegend brav neben uns her. Wir kamen an einer Kita vorbei, die Kinder waren begeistert vom Esel und riefen laut, das störte ihn nicht. Dann gerieten wir in eine große Gruppe Jugendlicher, die von der Schule zu einem Sportplatz laufen mussten, da wurde der Esel ein wenig unruhig, aber das äußerte sich nur darin, dass er einen Zahn zulegte. Wir überholten die Sportler, die wie „lame ducks“ mit ihrem Sportbeutel schlenderten. An der Autostraße gab es auch kein Problem, Lano blieb stehen und als Gerhard ihn über die Straße führte, folgte er ihm zügig. Interessant war, dass wirklich alle Leute uns begrüßten, „hallo“ sagten oder „wie süß“ oder sowas. Manche blieben stehen und fragten uns was,

wollten wissen, ob Kinder auf ihm reiten dürften. Da konnten wir gleich unser neues Wissen anbringen, warum Esel in unserer Region keine Lasttiere sind. In den südlichen Ländern sieht man Esel häufig hoch beladen mit Lasten jeglicher Art. Diese Esel werden mit 10 Jahren geschlachtet. Wenn Esel mit geringeren Lasten beladen werden, werden sie mit 20 Jahren „berentet“, aber Esel werden durchaus auch 45 Jahre alt, wenn man sie ein wenig schont.Wir liefen bis zur Storchenwiese. Ein großes Grasfeld mit einem Storchennest auf einem Metallmast, in dem 3 junge Störche waren und Flugversuche starteten, während wir Lano fressen lassen durften. Er musste zunächst 3 Sekunden ganz still stehen und sollte dabei nicht den Kopf senken. Dann legte Gerhard den Zügel quer vor ihm auf den Boden. Das war das Zeichen für Lano zum Fressen. Er fraß das vertrocknete Grün am Wegrand, das für mich ganz verstaubt aussah. Irgendwie hatte ich Mitleid, aber Esel futtern das wohl gern! Während wir abwechselnd Lano im Auge behielten, konnten wir mit dem Fernglas einen Blick auf die jungen Störche werfen, die auf dem Nestrand stehend ihre Flügel ausprobierten. Lano bekam noch eine halbe Portion Hafer, bevor wir weitergingen.

Es war warm und die Sonne brannte ganz schön, als wir an der Jausenstation ankamen. Hier war auch der Wendepunkt unserer Wanderung. Bis jetzt war alles erfolgreich und problemlos gegangen. Hier sollten wir den Esel anbinden an der langen Leine, die in einer der Satteltaschen war. Wir saßen mit einem Eis im Schatten eines großen Baumes, Lano futterte die Wiese rundherum leer. Trotzdem fraß er den Hafer aus der Schüssel in meiner Hand, ich wollte sie eigentlich auf den Boden stellen!

Der Rückweg war genauso komplikationslos. Einmal äpfelte er auf einem Asphaltstück, das Produkt haben wir natürlich weggeräumt. Sogar unsere Sorge, zügig über die Autostraße zu kommen, war unbegründet. In Anraff selbst blieb er öfter stehen und schaute sich um, viele Leute kannten ihn wohl auch. Vielleicht blieb er aber auch deswegen stehen, weil wir eine Abbiegung später gingen, als gedacht. An einer Hofreite blieb er lange stehen, dort wurde gerade ein Pferd beschlagen. Lano schaute und schaute, das Pferd bekam riesige Augen! Die Hufschmiedin kam und streichelte Lano und redete mit ihm, sie mochte Esel gern. Das Pferd mochte aber keine Esel, wie sie uns sagte. Als wir in die Nähe seines Hofes kam, war er nicht mehr zu halten: er zog uns fast durchs Tor.

Frau Odenhardt zog ihm die Hufschuhe aus und als ich fragte, ob wir ihn noch mal striegeln sollten, meinte sie, Lano werde sich in Kürze ein Sandbad erlauben, da sei Striegeln vorher nicht nötig. Er war wirklich ein Bilderbuchesel! Wir verabschiedeten uns, Frau Odenhardt lief mit dem Esel zur Koppel und wir genossen eine Dusche nach dem heißen ungewöhnlichen Tag.

Wir tranken in der Wohnung einen Kaffee und fuhren dann nach Waldeck, wollten eigentlich wieder zu dem Italiener von gestern – geschlossen. Heute war aber das griechische Lokal offen, auch hier aßen wir sehr gut! (Martini, Kalbsfilet, Lammhaxe,Weizenbier und Ouzo). Hiernach zogen wir uns in die gemütliche Wohnung zum Ausruhen zurück.

Mittwoch.

Wir schliefen wunderbar und lange aus. Auf dem Weg nach Hause wollten wir wieder eine Stadt besuchen – diesmal war es Fritzlar. Am Rosenturm fanden wir einen Parkplatz im Schatten. Von hier aus gingen wir zur Touristeninfo und bekamen dort einen Stadtplan. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten haben wir uns angeschaut, haben auf dem Marktplatz in einem Café eine längere Pause eingelegt und fuhren anschließend ohne Eile nach Hause.

Es waren ein paar wunderbare, erlebnisreiche Tage!